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GesundheitsParlament
Aus RUNDBRIEF NR. 2 vom 08/2002:
Eine Gesundheitsversicherung für alle!
Bei viel Selbst- und Mitbestimmung!
In vielen Gesprächen hat sich immer wieder eine merkwürdige
Einigkeit gezeigt: (fast) alle sind der Ansicht, daß die einzige
Lösung aus der derzeitigen Finanzkrise des Gesundheitswesens eine
solidari-sche Pflichtkasse für alle ist, ohne Höchstbemes-sungsgrenze,
mit Anrechnung von Kapitaleinkünften für die Versicherungsbeiträge,
ohne Kassenkonkur-renz um risikoarme Versicherte, mit weniger Verwal-tungsaufwand,
mit mehr Ausgleich zwischen arm und reich u.a.m.
Merkwürdig daran ist, daß niemand in der politischen Diskussion
die Forderung nach einer solchen Versi-cherung öffentlich stellt.
Gesundheit, Armut und Soli-darität haben hier offenbar noch keine
starke Lobby.
Individuelle Wahl, Selbst- und Mitbestimmung
Außerdem haben manche Menschen Angst vor einer Pflicht-Einheitskasse,
weil sie an das Einheits-Gesundheitswesen der DDR erinnert. Diese Angst
ist berechtigt, denn schon jetzt versuchen die GKV eine Einheitsmedizin
im Dienste der Pharma- und Medi-zintechnik-Industrie auszubauen. Eine
gemeinsame Gesundheitskasse muß dagegen die freie Wahl und Eigenaktivität
der Versicherten unterstützen.
Wir stehen vor der schwierigen Aufgabe, den Soli-daraspekt in der Versicherung
zusammenzubringen mit der Weiterentwicklung vielfältiger Heilmethoden
und insbesondere der selbstbestimmten Gesund-heitsförderung. Komplementär
zu einer gemeinsamen Versicherung müssen viele Möglichkeiten
zur Selbst- und Mitbestimmung aller Versicherten gegeben sein (sowohl
was die Heilmethoden als auch die Gesund-heits-Institutionen betrifft).
Diese Selbst- und Mitbestimmung muß einerseits durch Gesetze verankert
und andererseits durch ein festes individuelles Budget gewährleistet
werden. So sollte jedeR Versicherte z.B. 10% ihres Beitrages jährlich
zur freien Verfügung für gesundheitsförderli-che Maßnahmen
erhalten (z.B. Tai Chi, Yoga, Fa-stenwochen, Nichtraucherkurse, Entfernung
von Gif-ten aus dem persönlichen Umfeld usw.) Die 'freie Arztwahl'
sollte auf alle Ärzte und auch Heilpraktiker ausgedehnt werden. Ähnlich
wird es von den Artaba-na-Gemeinschaften praktiziert (s.S.6f.).
Wettbewerb um die gesündeste Region
Im marktwirtschaftlichen Wettbewerb zwi-schen den Krankenkassen wird das
Gesund-heitsrisiko der chronisch Erkrankten verschärft, da keine
Versicherung sie gerne haben will. An-ders bei der einen Solidarversicherung:
Ein krea-tiver, gesundheitsförderlicher Wettbewerb könnte zwischen
einzelnen Regionen (Landkreisen oder Bundesländern) stattfinden:
Wo gibt es die mei-sten gesunden jungen und alten Menschen? Da-bei würde
sowohl die Lösung des Armutspro-blems als auch des Problems chronischer
Er-krankungen gefordert werden. (s.a. Prof. Rolf Rosenbrock in 'Mabuse').
"Gesundheitsziele.de"
Kommentar von Theo Petzold am 20.5.02 zu den 'Gesundheitszielen' des
BMG:
"Bei allen Ihren "Gesundheitszielen" habe ich noch
wenig tatsächlich positiv - formuliertes Ge-sundheitsförderliches
gefunden. Irgendwie scheinen mir Ihre Autoren wenig Bezug zu dem zu haben,
was eine gesunde Entwicklung fördert, weder individuell noch gesellschaftlich.
Sie blei-ben offenbar noch ganz und gar dem pathologi-schen Denken verhaftet,
obwohl ja in der Absicht "Gesundheitsziele" zu formulieren schon
die Er-kenntnis deutlich wird, daß wir eine positive, sa-lutogenetisch
ausgerichtete Benennung brau-chen. Im Detail allerdings scheint keiner
so recht zu wissen, wie das aussehen kann.
Dabei gibt es doch schon recht weit fortge-schrittene Ausarbeitungen,
auf die ich hier aufmerksam machen möchte (für Rückfragen
stehe ich gerne zur Verfügung):
Im Arbeitsbereich "Integratives Gesundheitswesen" des Gesundheitsparlaments
haben wir als aktuell wichtigste Leitlinien für politische Ar-beit
für Gesundheit (übergeordnete, sozio-kulturelle Gesundheitsziele)
herausgearbeitet: Bewußtseinsbildung, Selbstbestimmtheit und Integration.
Durch erhöhte Bewußtseinsbildung werden die Menschen befähigt,
zwischen gesund und ungesund zu unterscheiden, sie erlangen Kom-petenz.
Durch die Möglichkeit zur Selbstbe-stimmtheit (durch Unterstützung
und ein Recht auf Selbsbestimmung) kann die Eigenkompetenz umgesetzt werden
in gesundes Verhalten. Da wir alle in Gemeinschaft leben, ist die Integration
unserer Gedanken, Empfindungen, Wünsche und Verhaltensweisen sowohl
für unser individu-elles Wohlbefinden als auch für eine gesell-schaftlich
gesunde Entwicklung förderlich.
Weitaus konkreter und für jeden einzelnen Menschen greifbarer sind
die Gesundheitsziele, die sich aus den umfangreichen epidemiologi-schen
Untersuchungen von Prof. Grossarth-Maticek ergeben: Faktoren, die für
ein langes gesundes Leben - also als Gesundheitsziele - wichtig sind:
Für eine gute Selbstregulation ist wichtig, durch Eigenaktivität
Wohlbefinden, Lust, Sicherheit, Sinnerfüllung und Entwicklung zu
erreichen. Als weiterer - äußerst wichtiger -Faktor hat sich
bei den Untersuchungen eine emotio-nale (keine dogmatisch-schuldzuprechende)
Gottesbeziehung herausgestellt.
Man kann aus den Studien von Prof. Gross-arth-Maticek folgende Gesundheitsziele
ableiten: Wohlbefinden, Sicherheit, Lustgewinn, Sinner-füllung, Entwicklung
und positive Gottesbezie-hung (Glaube) durch Eigenaktivität und -kompetenz
("Autonomie");
umfassende Integration: sozial, kulturell, Spi-rituell.
Für diese Gesundheitsziele wird man die mei-sten Menschen leicht
gewinnen können. Die Politik kann wesentlich dazu beitragen.
Bewußtseinsbildung - Selbstbestimmtheit - Integration
sind erforderlich für eine nachhaltig gesunde Entwicklung.
Auf diese drei Begriffe sind wir im 'Arbeitsbereich integratives Gesundheitswesen'
gekommen, als wir überlegt haben, wo wir heute die Schwerpunkte und
Not-wendigkeiten unserer konkreten Arbeit sehen. JedeR hat berichtet aus
ihrem Ar-beitsfeld - aus Kindergarten, Krankenhaus, Psychotherapie / Psychosomatik,
Arztpraxis, Gesundheitsnetzwerk, Ernährungsberatung, Ge-sundheitsmanagement,
Qualitätsmanagment im Sozial- und Gesundheitswesen, Selbsthilfegruppe
usw. und wo sie den Sinn ihrer Arbeit sieht.
Dabei sind wir immer wieder auf Bewußtseinsbil-dung (insbesondere
Gesundheitsbildung), Selbstbestimmtheit (Autonomie, Mitbestimmung) und
Integration (Ganzwerden, Anerkennung, soziokulturelle Teilhabe, Gleichberechtigung)
gekommen. In diesen drei allgemeinen Themen haben wir die Hauptaspekte
gesundheitsförderli-cher Arbeit gefunden.
Deshalb haben wir diese drei Begriffe zu Leitbe-griffen sowohl für
unsere persönliche gesundheitsförderliche Arbeit als auch für
die politische Arbeit gemacht. Wir halten diese Themen für sinn-
und richtungsweisend für unsere alltägliche Arbeit und für
sehr diskussionswürdig.
Vollversammlung am 9.-10. November 2002
TAGESORDNUNG
der Vollversammlung des GESUNDHEITSPARLAMENTS vom 09.-10.11.02
Sitzungszeiten: am Samstag, den 9.11. von 10.00 Uhr bis 18.00
Uhr, am Sonntag von 10.00 bis 14.00 Uhr
1. Begrüßung durch Theo Petzold
2. Perspektiv-Referat
3. Berichte der SprecherInnen
4. Gründung des Vereins "GESUNDHEITSPARLAMENT e.V."
a) Satzungsentwurf vorstellen, diskutieren und verabschieden
b) Wahlen des Geschäftsführenden Vorstandes
5. Vorstellen des Logos des GP
6. Berichte aus den Arbeitsbereichen
7. Impulsreferat zum Thema Gesundheitsversicherung
8. Kleingruppen zu folgenden Themen:
a) Gesundheitsversicherung
b) 'Gläserner Patient' - 'Gesundheits-Chipkarte'
c) Beteiligungsrecht für NROs zu gesundheitsrelevanten politischen
Entscheidungen
d) Gesundheitszeile - positiv verstehen
e) 'Forum für Prävention und Gesundheitsförderung' vom
BMG - GP-Teilnahme?
- Ergebnisvorstellung im Plenum
9. Bildung von Arbeitsbereichen
10. Sonstiges
Wir bitten um Anmeldung und Anregungen bis zúm 31.10.02 an
Silvia Heyer, c/o Pro Familia, Kalckreuthstr. 4, 10777 Berlin,
FON 030/ 214 764 21/6 FAX 030/214 764 25 e-mail: profa.jug @snafu.de
Berlin/Göttingen/Heckenbeck
15.11.01
Presseerklärung
Die Gründung
des Gesundheitsparlaments ist vollzogen - jetzt kann die Arbeit beginnen!
Berlin, 10.11.2001. Engagierte
PatientInnen, PsychologInnen, Ärzte und andere Gesundheits-arbeiterInnen
haben die politische Landschaft bereichert:
Das weltweit erste GESUNDHEITSPARLAMENT wurde gegründet.
In der Präambel der dort verabschiedeten "Berliner Charta für
Gesundheit" wird ausge-führt: "Das Gesundheitsparlament
wird in einer Zeit großer soziokultureller Veränderungen gegrün-det,
weil die bestehenden Gesellschaftsstrukturen nicht geeignet sind, die
komplexen Proble-me zum Wohle der Menschen zu lösen."
Was strebt das GESUNDHEITSPARLAMENT an:
"Das Ziel ist: selbstbestimmte gesunde Entwicklung für alle
- in einer gesunden Umwelt."
Das Gesundheitsparlament (GP) ist ein nationales Vernetzungsforum von
Nicht-regierungsgebundene Organisationen (NRO) aus dem Gesundheitsbereich,
wie z.B. Selbsthil-fegruppen, Umweltgeschädigte, Pro Familia, Paritätischer
Wohlfahrtsverband Göttingen, Ge-sundheitszentren.
Dr. med. Ellis Huber, ehemaliger Präsident der Berliner Ärztekammer,
hatte auf dem Ge-sundheitstag 2000 zur Bildung des GP aufgerufen. Ein
von der dortigen Versammlung ge-wählter Arbeitsausschuß hatte
seitdem die Gründung u.a. mit zwei Werkstatttreffen vorberei-tet.
Jetzt konnte die Gründungsphase auf einer Versammlung von etwa 40
Delegierten von NROs im Rathaus Schöneberg mit der Verabschiedung
der Berliner Charta für Gesundheit und der Geschäftsordnung,
sowie der Wahl der zwei SprecherInnen Silvia Heyer (Pro Familia Berlin)
und Theo Petzold (Gesundheitsnetz Bad Gandersheim) abgeschlossen werden.
Der FÖRDERVEREIN GESUNDHEITSPARLAMENT trägt die Aktivitäten
des GP finan-ziell. Die Geschäftsstelle ist beim 1. Vorsitzenden
des Vereins Manfred Grönig c/o Gesund-heitszentrum, Albanikirchhof
4-5, 37073 Göttingen. Als Delegierte des GP für den Förderver-ein
wurden Dr. Daya Mullins (Weg der Mitte) und Dr. Ellis Huber (Berliner
Bündnis für ein soziales Gesundheitssystem) gewählt. Die
genannten Personen, sowie die zweite Vorsitzende des Fördervereins,
Brigitte Henke (Deutsche Gesellschaft für Alternative Medizin DGAM,
Koop. BV-AH Berlin), bilden zusammen mit den SprecherInnen der Arbeitsbereiche
den neu-en ständigen Arbeitsausschuß des Gesundheitsparlaments.
Zu vier großen Themengebieten wurden vier Arbeitsbereiche gebildet:
Integriertes Gesund-heitssystem, Umwelt und Gesundheit (Sprecherin Regina
Nowack, SH Amalgam, c/o SEKIS Berlin), PatientInnenrechte sowie Gesundheitsversicherungswesen.
Die Arbeitsreiche wollen grundlegende programmatische Schwerpunkte für
die Neuorientie-rung unseres Gesundheitswesen erarbeiten. Dabei streben
sie die Vernetzung mit möglichst vielen NROs und engagierten Menschen
an. Das gemeinsame Ziel ist, die gesunde Entwick-lung selbstbestimmt zu
organisieren. Zugrunde liegt die Erfahrung, daß das staatliche,
öffent-liche Gesundheitssystem von vielen Faktoren, wie Profitmaximierung
der Pharma- und Medi-zinindustrie, von Standeslobbies, parteipolitischen
Interessen u.a. zum Schaden der Gesund-heit der Bevölkerung fremd
bestimmt wird. Da Gesundheit und Wohlbe- finden - auch see-lisch-geistig
- 'unser höchstes Gut' und wichtigster Faktor für die Weiterent-wicklung
der Menschen, sowohl menschlich als auch wirtschaftlich ist, haben sie
sich zu diesem nationalen Schritt der Selbsthilfe entschlossen. Selbstbestimmung,
Autonomie sowohl in der individuel-len als auch sozialen, nationalen und
kulturellen Selbst-Organisation ist eine entscheidende Voraussetzung für
gesunde Regulation. Dafür sollen auch Gruppenprojekte "Modelle
guter Praxis" sein. So hat die lange Gründungsversammlung nicht
nur intensive Arbeitsfähigkeit aller TeilnehmerInnen gezeigt, sondern
war auch ein ermunterndes Beispiel für menschlich achtsame, kreative
und auf das Ganze bedachte Kommunikation.
Ob das GESUNDHEITSPARLAMENT es schaffen wird, durch seine Arbeit wesentlich
zur einer gesundheitsförderlichen Entwicklung der Bevölkerung
beizutragen - was u.a. am Wohl-befinden und Nachlassen der chronischen
Erkrankungen zu messen wäre - hängt insbesondere davon ab, wieviele
der für Gesundheit engagierten Menschen und Gruppen sich hier koopera-tiv
vernetzen, wie sie kreativ, synergetisch miteinander kommunizieren und
wie dieses ein-malige Modell guter Praxis auch finanziell unterstützt
wird. Mehr Informationen gibt es unter www.gesundheitsparlament.de.
Im Auftrag des GP verantwortlich:
Silvia Heyer (Berlin)
Manfred Grönig (Göttingen)
Theo Petzold (Heckenbeck)
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